{"id":155,"date":"2013-01-25T19:52:38","date_gmt":"2013-01-25T17:52:38","guid":{"rendered":"http:\/\/loewin.de\/blog\/?p=155"},"modified":"2014-10-10T12:30:43","modified_gmt":"2014-10-10T10:30:43","slug":"das-winterliche-leben-in-der-provence-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.loewin.de\/blog\/das-winterliche-leben-in-der-provence-2\/","title":{"rendered":"Das winterliche Leben in der Provence"},"content":{"rendered":"<p>Was h\u00e4lt einen im feucht-kalten, tr\u00fcben Winter in Ostth\u00fcringen?<\/p>\n<p>Klar gibt es Einiges und es ist immer noch meine Heimat.<\/p>\n<p>Aber die M\u00f6glichkeit den Winter in einer meiner Herzensgegenden zu verbringen, auf einem H\u00fcgelkamm \u00fcber Apt, im Luberon, in der Provence, im S\u00fcden Frankreich, \u00fcbte eine unwiderstehliche Anziehung auf mich aus.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nun bin ich hier, seit Mitte November schon und \u00fcberlege doch ernsthaft, hier ein ganzes Jahr zu verbringen.<\/p>\n<p>Angekommen bin ich nach knapp 1300 Kilometern Fahrt bei 18 Grad warmen Sonnenschein. Quer durch Europa war es nass, kalt und ziemlich neblig. Bis Lyon. Dort riss der Himmel auf und mit jedem Kilometer, den ich weiter fuhr, wurde es w\u00e4rmer und sonniger.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Empfang! Nach gut 12 Stunden Fahrt war ich nicht m\u00fcde und ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p>Die Aussicht: gen Norden auf der Berge des Vacluse, im Westen der gro\u00dfe und der kleine Luberon, im S\u00fcden auf ein Lavendelfeld, dahinter im Tal Apt &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Winter in der Provence ist noch mal etwas ganz besonderes. Klar regnet und schneit es sogar mal ein wenig und unterhalb des Mont Ventoux, im Vacluse gibt es ein kleines Skigebiet, aber die meiste Zeit scheint die Sonne, der Himmel ist sehr blau, man kann drau\u00dfen sitzen, tritt bei Spazierg\u00e4ngen fortw\u00e4hrend auf Thymianb\u00fcschel und ist augenblicklich von intensivem Duft umgeben. Es ist alles etwas ruhiger und viel Zeit f\u00fcr Gespr\u00e4che. Es gibt keinen Stau. Die saisonalen, kulinarischen Gen\u00fcsse sind preiswert und jeweils mit ausgiebiger Besprechung zur Zubreitung zu haben.<\/p>\n<p>Selbst der J\u00e4ger im Wald kl\u00e4rt einen auf, wie man Wildschwein zubereiten m\u00fcsste und schenkt einem die Pilze dazu. Die Schweine laufen zum Gl\u00fcck noch herum und sind nicht in der Pfanne gelandet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Samstags ist Markt in Apt, einem der sch\u00f6nsten in der Provence und auch im Winter ein Erlebnis. Heute ist es nun endlich wieder milder, nach einigen frostigen N\u00e4chten und leichten Schneefall Anfang der Woche.<br \/>\nTrotz Wind und Nieselregen war recht viel los in Apt und wie immer quer durch die Stadt viele H\u00e4ndler vertreten.<br \/>\nZu den Obst- und Gem\u00fcseh\u00e4ndlern, den Wurst- und Fleischst\u00e4nden, dem Fisch und allerlerei Meeresgetierangebot, den B\u00e4ckern und den P\u00e2tissierien gibt es auch die St\u00e4nde mit den Waren des t\u00e4glichen Bedarfs und nat\u00fcrlich Stoffh\u00e4ndler und Kleidungsst\u00e4nde. F\u00fcr mich gibt es das hier in Apt alles in der richtigen Menge und ist in einer guten Mischung vertreten.<br \/>\nAuf dem Markt montags in Cavaillon \u00fcberwiegen die Kleidungs- und Schuhh\u00e4ndler neben (in meinem Augen) allerlei Spiddel. Was man eben zum Leben auf dem Lande so braucht. Unter Anderem f\u00fcr den harten Winter in der Provence unerl\u00e4sslich \ud83d\ude09 dicke Strampelanz\u00fcge in allen Gr\u00f6\u00dfen. Man stelle sich mal den gestandenen, strammen J\u00e4ger oder robusten Bauern im Strampelanzug aus ganz dickem Frottee vor!<\/p>\n<p>Bei den Provencialen ist der gef\u00fcrchtete K\u00e4ltetod ein wichtiges Gespr\u00e4chsthema. Wenn die Temperatur unter 10 Grad Plus f\u00e4llt, ist er allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Herausragende Rolle bei den M\u00e4rkten im Winter spielt der Markt samstags in Richerenches, der weltgr\u00f6\u00dfte Tr\u00fcffelmarkt. In dem 500 Einwohner-Dorf trifft sich von November bis M\u00e4rz die ganze weite Welt. Bei der Anfahrt sieht man schon von weitem die Ruinen der Gem\u00e4cher des Templerordens\u00a0 um die herum Richerenches angelegt ist und man riecht mehrere Kilometer vorher die Tr\u00fcffel. Es sei denn, es weht der Mistral, dann bekommt man nur gelegentlich Duftwolken ab, die daf\u00fcr dann aber noch intensiver sind. Eine Stra\u00dfe entlang ist der offizielle Tr\u00fcffelmarkt und dort gibt es neben verschiedenen Tr\u00fcffeln zu offiziellen Preisen, kulinarisches aus der Provence und alles um die Tr\u00fcffel herum. Und vieles zu erstaunlich moderaten Preisen. Die beiden Dorf-Caf\u00e9s d\u00fcrfen nat\u00fcrlich nicht fehlen. Eines ist recht modern und viele Transaktionen werden anscheinend dort auf der Toilette gemacht, dass einen der Tr\u00fcffelduft auf das Intensivste trifft. Im anderen geht es gem\u00e4chlicher zu. Man sitzt drau\u00dfen in der Sonne mit Caf\u00e9 Creme, Wei\u00dfwein und verschiedenen Austernsorten, die es gleich am Stand nebenan gibt und einem ge\u00f6ffnet zum Tisch gebracht werden, beobachtet das Treiben und genie\u00dft einfach. In der kleinen Boulangerie des Dorfes, des B\u00e4ckerladens, gibt es die \u00fcblichen, von der \u00e4lteren Dame, die hinter dem Ladentisch steht, liebevoll bereiteten K\u00f6stlichkeiten vom schlichten Baguette, \u00fcber die Fougasse, ein typisches provencialisches Brot bis zum Pain au Chocolate, das leckerste Schokoladenbr\u00f6tchen, das ich bisher a\u00df, alles nur solange wie der Vorrat reicht und man sollte sich schon beeilen, noch etwas zu bekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>All zu viel sollte man aber davon nicht essen, erstens macht das kein Franzose auf der Stra\u00dfe und zweitens muss man an den meisten St\u00e4nden kosten. Vom Wein \u00fcber den Tr\u00fcffelaperitif, das Tr\u00fcffel\u00f6l, Tiramisu mit Tr\u00fcffellik\u00f6r, Wurst, K\u00e4se und Schinken bis zum vielf\u00e4ltigen Nougatangebot, dass hier Nougat hei\u00dft, aber wie t\u00fcrkischer Honig schmeckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnte man auch junge Tr\u00fcffelhunde mit Stammbaum erwerben, denen nur noch die Ausbildung fehlt und ein- oder zweij\u00e4hrigen Eiche, deren Wurzeln mit Tr\u00fcffelsporen geimpft sind, von denen man in ca. 80 Jahren die eigenen Tr\u00fcffel ernten kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben den Marktst\u00e4nden, den beiden Caf\u00e9s, der Boulangerie, dem Lotto- und Tabakladen, dem kleinen Lebensmittelgesch\u00e4ft und der Bibliothek in der einen Strasse von Richerenches gibt es in einer Seitenstra\u00dfe, die Hauptstra\u00dfe kreuzend den inoffiziellen Tr\u00fcffelmarkt, wo die Tr\u00fcffel kiloweise und meist auf Bestellung direkt aus dem Kofferraum verkauft werden um von dort direkt zu den besten Restaurants der Welt zu gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Fahrt zur\u00fcck von Carpentras nach Apt f\u00fchrt durch eine herrliche Schlucht und \u00fcber einen Pass.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einer der unvergleichlichen Gen\u00fcsse des Winters ist der neue Wein ab Februar. Der letztj\u00e4hrige Wein der DOMAINE DE FONT ALBA, dem Weingut der Familie Vuitton, mit dem\u00a0 Weingut DOMAINE\u00a0\u00a0 DU\u00a0\u00a0 PUY\u00a0 MARQUIS unsere n\u00e4chsten Nachbar hier auf dem Colline des Puits, dem H\u00fcgel der Quellen, war im Herbst schon ausverkauft und nun werden die 2012er mit Spannung erwartet. Sie geh\u00f6rt zum Anbaugebiet &#8222;C\u00f4tes du Ventoux&#8220; auf H\u00e4ngen mit steinigen, tonhaltigen Kalkb\u00f6den. Die Weine von kr\u00e4ftiger Farbe entwickeln ein Bukett mit fruchtiger Note, von Gew\u00fcrzen und Lakritze. Der Geschmack ist abgerundet und bietet eine Struktur von samtiger Gerbs\u00e4ure, die ihm ein gutes Potential zum Altern verleiht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ausflugsm\u00f6glichkeiten gibt es hier genug und im Winter ist alles sch\u00f6n ruhig, ohne Gedr\u00e4nge. \u00dcber Lacoste im <i>Parc naturel r\u00e9gional du Luberon<\/i>, eines der malerischen Bergd\u00f6rfer an den H\u00e4ngen des Luberon, befinden sich die Ruinen der gleichnamigen <a title=\"Burg Lacoste (Seite nicht vorhanden)\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Burg_Lacoste&amp;action=edit&amp;redlink=1\">Burg Lacoste<\/a>, im <a title=\"18. Jahrhundert\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/18._Jahrhundert\">18. Jahrhundert<\/a> der Wohnsitz des <a title=\"Donatien-Alphonse-Fran\u00e7ois de Sade\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Donatien-Alphonse-Fran%C3%A7ois_de_Sade\">Donatien-Alphonse-Fran\u00e7ois de Sade<\/a>, dem Namensgeber des Sadismus.<\/p>\n<p>Rustrell, am Fu\u00dfe unseres H\u00fcgels ist bekannt f\u00fcr seine verschiedenfarbigen Ockerfelsen. An einigen Stellen wird noch <a title=\"Ocker\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ocker\">Ocker<\/a> abgebaut, um daraus Naturfarben f\u00fcr das Kunstgewerbe zu gewinnen. Die Einheimischen erz\u00e4hlen, dass \u00fcber 20 verschiedene Farben gewonnen werden k\u00f6nnten. Roussillon ist als eines der <i>Plus beaux villages de France<\/i> (<a title=\"Die sch\u00f6nsten D\u00f6rfer Frankreichs\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_sch%C3%B6nsten_D%C3%B6rfer_Frankreichs\">sch\u00f6nste D\u00f6rfer Frankreichs<\/a>) klassifiziert und hat durch den Ockersteinbruch am <i>Sentier des ocres<\/i> und die ockerhaltigen Erden, in malerischen Ockert\u00f6nen gehaltenen H\u00e4user an den H\u00e4ngen des Luberon f\u00fcr mich den Titel wirklich verdient.<\/p>\n<p>Zwischen 1942 und 1945 versteckte sich <a title=\"Samuel Beckett\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Samuel_Beckett\">Samuel Beckett<\/a> in Roussillon vor der deutschen Wehrmacht und setzte der Stadt in seinem Theaterst\u00fcck <i><a title=\"Warten auf Godot\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Warten_auf_Godot\">Warten auf Godot<\/a><\/i> ein Denkmal. \u00a0Saigon thront ca. 3 Kilometer \u00fcber Apt \u00a0und der Aussichtsfelsen mit Blick \u00fcber die Berge des Vaucluse bis zum <a title=\"Mont Ventoux\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mont_Ventoux\">Mont Ventoux<\/a> und ist von weit her zu sehen. Von Saignon aus kann man auch prima auf unseren H\u00fcgel, den Colline des Puits schauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt vieles, was mich in die Provence zieht, die Aussicht, die Farben, die D\u00fcfte, die Lebensart- und weise \u2026 und ganz besonders genie\u00dfe ich die Provence, den Luberon im Winter.<\/p>\n<div id=\"attachment_76\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/loewin.de\/blog\/das-winterliche-leben-in-der-provence\/20130111_155032\/\" rel=\"attachment wp-att-76\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-76\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-76\" src=\"http:\/\/loewin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/20130111_155032-300x225.jpg\" alt=\"Domaine des Font Alba\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.loewin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/20130111_155032-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.loewin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/20130111_155032-624x468.jpg 624w, https:\/\/www.loewin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/20130111_155032.jpg 800w, https:\/\/www.loewin.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/20130111_155032-600x450.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-76\" class=\"wp-caption-text\">Domaine des Font Alba<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was h\u00e4lt einen im feucht-kalten, tr\u00fcben Winter in Ostth\u00fcringen? 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